| Die Geschichte des Karate |
Zwanzig Paragrafen der Leeren Hand
(um 1930)
von Gichin Funakoshi

Vergiss nicht, dass die Leere Hand mit einem respektvollen Gruß beginnt und mit einem respektvollen Gruß aufhört.
Bei der Leeren Hand gibt es kein Zuvorkommen.
Die Leere Hand unterstützt die Gerechtigkeit.
Zuerst erkenne dein Selbst, dann den anderen.
Die Kunst des Herzens kommt vor der Kunst der Technik.
Es ist notwendig, das Herz frei zu machen.
Unheil entsteht aus Nachlässigkeit.
Denke nicht nur im Übungsort des Weges an die Leere Hand.
Die Übung der Leeren Hand geht ein Leben lang.
Lass auf alles die Leere Hand einwirken, darin liegt der geheimnisvolle Reiz.
Die Leere Hand ist wie heißes Wasser, wenn man diesem nicht unaufhörlich Hitze zuführt, wird es wieder kalt.
Denke nicht an das Siegen; notwendig ist, nicht an das Verlieren zu denken.
Wandle dich, abhängig vom Feind.
Der Kampf hängt davon ab, wie man Stärken und Schwächen handhabt.
Betrachte die Arme und Beine des Menschen als Schwerter.
Wenn ein Knabe durch das Tor hinausgeht, hat er hundert mal zehntausend Feinde.
Das Einnehmen einer Haltung gibt es beim Anfänger, danach folgt der natürliche Körper.
Übe die Formen korrekt, im wirklichen Kampf ist das eine andere Sache.
Vergiss nicht die Stärke und die Schwäche der Kraft, das Ausdehnen und das Zusammenziehen des Körpers sowie die Langsamkeit und die Schnelligkeit der Technik.
Denke immer nach, und arbeite beständig an deiner Vervollkommnung.
(Auszug aus dem Buch: "Karatedô - Der Weg der Leeren Hand" Verlag Heiko Bittmann. Mit freundlicher Genehmigung)
Tipps zum Erlernen /
Üben von Kata Zum Erlernen von Kata sind saubere, exakte Grundtechniken wichtige Voraussetzungen.
Der Ablauf der Kata muss sicher beherrscht werden. Sinnvoll ist es, die Kata in Abschnitte zu zergliedern, diese einzeln zu lernen und dann zusammenzufügen. Diese Einteilung ergibt sich meist aus der Anzahl und Angriffsrichtung der jeweiligen Gegner.
Die eigentliche Gestaltung der Kata beginnt erst, wenn unser Geist, unser Bewusstsein nicht mehr bewusst kontrolliert und durch vieles Üben der Ablauf so sicher beherrscht wird, dass die Kata sicher vorgetragen werden kann.
Der Geist ist jetzt erst frei nach außen gerichtet (Zanshin) und nicht mehr nach innen, um zum Beispiel mühsam und hochkonzentriert den Ablauf und die Techniken bewusst zu kontrollieren. Oft kann man bei Prüfungen beobachten wie dort so eine Kata vorgeführt wird.
Der Prüfling schaut ganz deutlich "nach innen" man fühlt es, wie er innerlich den Ablauf der Kata oder sogar die Ausführung einzelner Techniken bewusst zusammensucht. Mit der sicheren Beherrschung der Techniken und des Ablaufs fängt richtige Kata aber erst an!
Der Geist unser Bewusstsein, ist nur frei nach "außen" für die Gestaltung aller Punkte, die das Wesen von Kata erst ausmachen:
Arbeit an der zeitlichen Gestaltung der Kata (Rhythmus, Pausen). Kampfgeist, Stimmung, Ausdruck der Besonderheiten der Kata, Zanshin (Wachheit nach außen, Kampfgeist).
Ziel einer Kata:
Ruhe, Sicherheit, Entschlusskraft, Rhythmus, innere Ausgeglichenheit.
Tipps für das Üben von Kata:
-"Haste" nicht durch die Kata. Sei dir immer des richtigen Timings jeder Technik und Bewegung bewusst!
-Bleibe ruhig!
-Übe jeden Tag! Auch wenn es nur wenige Minuten sind, diese summieren sich und zeigen die Wirkung des bewussten Übens doch!
-Konzentriere dich auf die Schwierigkeiten!
-Das Bewusstsein der Zusammenhänge zwischen Kata und Kumite ist wichtig!
-Früher war Kata die einzige Form des Karate und es dauerte bis zu 4 Jahre, eine Kata zu erlernen.
Zählen von 1 bis 10
auf Japanisch:
eins = ichi
zwei = ni
drei = san
vier = shi/yon
fünf = go
sechs = roku
sieben = shichi/nana
acht = hachi
neun = kyu/ku
zehn = ju
Die Geschichte des Karate
Das Shaolin Kloster, Geburtsstätte der Kampfkünste
Die Wurzeln des Karate liegen, wie alle asiatischen Kampfkünste, im Kloster Shaolin in China. Das Kloster entstand im 3.Jhd.v.Chr., als eine Gruppe von rivalisierenden Feudalherren im Hao-shan Bergmassiv Zuflucht fand. Auf dem Berg Song-shan errichteten sie einen Tempel, umgeben von dicken Steinmauern und bepflanzten die Gegend mit jungen Kiefern. Dem Kloster gaben sie den Namen Shaolin (junger Wald). Im Jahre 523 n.Chr. besuchte Bodhidharma, 28.Nachfolger Buddhas und Patriarch Zen-Buddhismus, also ein geistlicher Führer, das Kloster und ließ sich dort nieder. Er unterrichtete die Mönche in Zen - Meditation und gymnastischen Körperübungen, die vermutlich aus dem indischen Kampfsystem Vajramushti stammten. Im Laufe der Zeit vermischten die Mönche diese Übungen mit anderen, alten chinesischen Kampfmethoden und es entstand das Quan-fa, das heute als Kung-fu bekannt ist.
Im 16.Jhd. bemühte sich der Shaolin-Mönch Jue-Yuan darum, das Quan-fa kämpferisch zu perfektionieren. Dazu baute er auf den alten Grundlagen auf, bezog aber zusätzlich taktische Verhaltenstechniken und die Kunst der Vitalpunktstimulation mit ein. (Sowie mit Akupunktur Heilung erzielt wird, kann man durch das negative Stimulieren bestimmter Körperpunkte den Gegner kampfunfähig machen).
Das Kloster war jedoch keineswegs nur ein Ort der Religion und der Kampfkunst, schon lange wurde hier auch Politik gemacht, nicht zuletzt auch wegen seiner Kampfkraft. Als im 17.Jhd. die Mongolen das Land besetzt hatten, war Shaolin ein Zentrum des versteckten Widerstandes. Jedoch erfuhr der mongolische Kaiser von den konspirativen Aktivitäten und ließ das Kloster niederbrennen und alle Mönche ermorden. Fünf Mönche sollen der Legende nach entkommen sein und Geheimbünde gegründet haben, die die konspirativen Aktivitäten weitergeführt haben. Diese Geheimbünde sollen die Vorgänger der heute noch existierenden Triaden gewesen sein.
Das Kloster wurde später wieder aufgebaut, erlangte aber nie wieder seine einstige Bedeutung.
Die Entstehung des Karate
Normalerweise wird Japan als Entstehungsort des Karate bezeichnet, jedoch stimmt dies nicht ganz; Denn Karate entwickelte sich auf Okinawa, einer kleinen Insel südwestlich von Japan, die im 19.Jhd. von Japan annektiert wurde.
Bereits 500 Jahre vorher hatte Okinawa intensive Kontakte mit China, und zu dieser Zeit wurde auf Okinawa eine Kampfkunst geübt die "Tode", auch "Okinawa-Te"oder nur "Te" genannt wurde. "To" kann dabei als "China" und "De / Te" als "Technik"übersetzt werden. (Die Ideogramme für "To-De" können, bei gleicher Bedeutung auch "Kara-Te" gelesen werden). Dies deutet darauf hin, dass chinesische Quan-fa Meister ihre Kampfkunst auf Okinawa gelehrt haben und daraus das Tode entstanden ist.
Es wurden die chinesischen Kampftechniken jedoch nicht bedingungslos übernommen, einheimische Formen des Kampfes fanden ihre Berücksichtigung. Es entstand eine neue, eigenständige Form des Kämpfens.
Zur Intensivierung der Entwicklung der Kampfkunst führte das Verbot des Privatbesitzes von Waffen im Königreich Ryûkyû, das erstmals während der Regierungszeit (1477-1526) von Herrscher Shô Shin proklamiert wurde.
In dieser Zeit entstand auch das Okinawa Kobudo, eine Kampfkunst, in der landwirtschaftliche Geräte wie z.B. Sichel(Kama), Holzstab(Bô) und Dreschflegel(Nunchaku) zum Kampf umfunktioniert wurden.
1609 wurde Okinawa vom japanischen Satsuma-Clan besetzt und das alte Waffenverbot wurde erneuert. Die Satsuma gingen mit äußester Härte gegen die Bevölkerung vor, die nicht kooperierte.
Sie pressten dem ohnehin schon armen Land hohe Steuern ab und terrorisierten die Bevölkerung regelrecht. Das streng geheim gehaltene Te erlebte erneut einen Aufschwung und die Techniken wurden verstärkt unter dem Gesichtspunkt der Effizienz geübt, damit sich ein Te-Übender selbst gegen einen schwer bewaffneten, kampferprobten Samurai zur Wehr setzen konnte. Hände und Füße wurden so abgehärtet, dass sie selbst durch die Rüstung eines Satsuma-Kriegers hindurch eine tödliche Wirkung erzielen konnten und der Körper wurde trainiert, um weniger verwundbar zu sein.
Lange noch dauerte die Geheimhaltung um Okinawas Kampfkünste an und obwohl sich im Laufe der Zeit die Beziehungen zwischen Bevölkerung und Besatzern besserten, blieb das Karate der Öffentlichkeit nur sehr schwer zugänglich. Erst im Jahr 1905, 37 Jahre nach der Meiji-Restauration, die den Shogun und die Samurai, also auch die Satsuma auf Okinawa, entmachtete und die Insel zu einem Teil Japans machte, begann Meister Itosu , Karate der breiten Masse zugänglich zu machen, indem er es an den Schulen Okinawas einführte. Zu diesem Zweck entwickelte er die Pinan(Heian) Katas. Trotz des Widerstandes anderer großer Meister hatte Itosu Erfolg und das Karate verbreitete sich rasch über ganz Okinawa.
  Die Insel Okinawa "Tau im offenen Meer" (Übersetzung des Namens)
Von der "chinesischen" zur "leeren" Hand
Okinawas Kampfkunst hatte im Laufe der Zeit viele Namen. Teils wurde sie "Tode" oder "Karate" genannt, teils "Okinawa-Te","Bushi no Te" (Hand des Kriegers) oder einfach nur "Te".Zusätzlich gibt es für den Namen "Karate" noch zwei Schreibweisen: Zum einen kann das Schriftzeichen für "To" also "China" , auch als "Kara" ausgesprochen werden, zum anderen bedeutet "Kara" bei veränderter Schreibweise auch "leer".
Gichin Funakoshi, der auf Grund seiner Innovationen in der okinawaischen Kampfkunst heute als Vater des modernen Karate gilt, setzte schließlich durch, dass die Schreibweise "leere Hand" der passende Name für die Kampfkunst sei. Dies liegt jedoch nicht nur daran, dass tatsächlich mit "leeren Händen" gekämpft wird, sondern hing auch mit dem philosophischen Hintergrund des Karate zusammen."Leerheit" ist im Zen-Buddhismus der angestrebte Geisteszustand, der völlig unbelastetes Handeln ermöglicht. So sollte ein Karateka (Karate-Treibender) im Kampf geistig völlig leer sein, um intuitiv agieren und reagieren zu können und im entscheidenden Augenblick nicht durch gedankliche Verkrampfung gelähmt zu sein.
Der Weg nach Japan
Durch die neue Offenheit waren zu jener Zeit auch Japaner zum ersten Mal Zeuge von Karatedemonstrationen. Beeindruckt baten sie die okinawaischen Meister, auch in Japan eine solche Demonstration zu zeigen.1916 führte er Karate zum ersten Mal auf der Hauptinsel, in Kyôto, vor. Gichin Funakoshi folgte 1922 der Einladung nach Japan, als Repräsentant Okinawas, die Kampfkunst auf der vom japanischen Kultusministerium ins Leben gerufenen 'Ersten Ausstellung für Leibeserziehung' in Tokyo vorzustellen.
In einem Studentenwohnheim eröffnete er sein erstes Dojo (Trainingsstätte), doch schon bald wuchs seine Popularität, und es kamen immer mehr Schüler zu ihm.
Funakoshis Lehre wurde später, obwohl er sich stets gegen die Gründung von Stilrichtungen aussprach, Shotokan genannt. (Shotokan war der Name von Funakoshis erstem Dojo. "Shôtôkan"(jap."Institution der Kiefernwoge") wurde von Funakoshi während seiner Jugend, in der er Gedichte schrieb, als Pseudonym benutzt.
 Gichin Funakoshi gilt als Begründer des modernen Karate
JKA & Wettkämpfe Der für das heutige Shotokan-Karate wahrscheinlich bedeutendste Schüler Funakoshis war wahrscheinlich Masatoshi Nakayama.1932 begann er bei Meister Funakoshi mit Karate, ging jedoch 1937 aus beruflichen Gründen nach China, wo er die chinesischen Kampfkünste studierte. Als er 1946 zurückkehrte, hatte sich die Situation im Shotokan-Dojo erheblich geändert. Gichin Funakoshi hatte sich aus dem Trainingsbetrieb zurückgezogen, und sein Sohn und Nachfolger, Yoshitaka, war 1945 an Tuberkulose gestorben. Die Führung des Stils hatten die Senpai aus Nakayamas Generation übernommen.
Nakayama begann ein Wettkampfkonzept auszuarbeiten und warb bei den Shotokan-Lehrern für seine Idee. Zusammen mit Hidetaka Nishiyama und Isao Obata, zwei der großen Shotokan-Meister dieser Zeit, gründete er 1949 die Japan Karate Association (JKA), eine Vereinigung mit dem Ziel, das Shotokan Karate zu verbreiten. Auf Grund der qualifizierten Ausbildung und der überragenden Wettkampferfolge erlebte die JKA einen enormen Zulauf und verbreitete sich über die ganze Welt.
Seit 1964 ist die JKA auch in Deutschland äußerst aktiv, zuerst durch Hirokazu Kanazawa. Er wurde 1969 von Hideo Ochi abgelöst, der hier bis heute äußerst erfolgreich als Bundestrainer arbeitet.

Hideo Ochi, Bundestrainer des DJKB
(hier bei der Überreichung des Bundesverdienstkreuzes am 12.Mai 1997)

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